worte

english

ein projekt von Eva Beierheimer und Miriam Laussegger

in vielen fällen lebt die kunst heutzutage von ihrer textuellen beschreibung.
dabei wird die formensprache der kunst oft durch ein übermächtiges konstrukt an hoch spezialisiertem vokabular übertönt. das kunstwerk wird sozusagen erst mit dem werkzeug sprache in form gebracht.

eine ständig wachsende vielzahl solcher „fachwörter“ bzw. „keywords“ schwirrt durch die kunstwelt und erzeugt eine textuelle reizüberflutung.
der/die künstlerIn ist nun gezwungen sich dieser sprache anzupassen und das handwerk des textuellen formens zu erlernen. der anpassungsprozeß an diese „textuelle mode“, um an den diskussionen der aktuellen kunstwelt teilnehmen zu können, gelingt individuell äußerst unterschiedlich.

ein von einigen künstlern gewählter ansatz um sich und seine kunst ins licht der textuellen diskussion zu rücken ist sich eines artikulationsmanagements zu bedienen: das sammeln und verwalten von relevanten worten. als quelle dienen kunstmagazine, kataloge, vorträge, vorlesungen, usw. – gesammelt in tabellen, listen oder datenbanken.

in diesem sinn entstand seit 2004 das projekt „worte“. eine sammlung aus über 2500 begriffen, die wiederum aus ca. 3500 wörtern bestehen. diese liste von textbausteinen wird ständig aktualisiert und erweitert.
seit 2005 entstanden verschiedene arbeiten mit diesen „worten“ (tapete, plakat, absperrband etc.)

in dieser form wollen wir unsere sammlung auch enzyklopädisch als public domain veröffentlichen und der allgemeinheit zur verfügung stellen um so auch anderen künstlern einen leichten einstieg in das artikulationsmanagement zu ermöglichen.
dies wird in form einer homepage der öffentlichkeit zugänglich gemacht.

kernstück dieser homepage ist ein textgenerator. dieses programm ermöglicht es aus den “worten” interaktiv texte zu generieren. dem user stehen die “worte” als material zur verfügung. benutzerInnen der seite wählen aus der „worte“ sammlung begriffe aus, welche zu künstlichen wortgefügen zusammengesetzt werden.

weiters soll der benutzende die möglichkeit haben eigene worte, welche nicht in der „worte“ liste stehen, über eigens dafür vorgesehene matrizen einzugeben.
der daraus entstehende hybride text soll das erstellen von kunsttexten auf einfachste weise ermöglichen und als inkompetenzkompensationskompetenz dienen.

nach den bisherigen installativen grafischen arbeiten zu den „worten“ setzt unser projekt www.worte.at an dieser schnittstelle zwischen privaten und öffentlichen raum an.
obwohl die grafische oberfläche zunächst zweidimensional bleibt, wird das internet als ganzes räumlich gedacht. die web-oberfläche verweist in ihrer zweidimensionalität auf einen nicht sichtbaren dreidimensionalen vernetzungsraum wodurch das internet als kommunikationsraum einen wesentlichen raum für sprache bietet.
so entsteht das projekt www.worte.at im zweidimensional grafischen raum des internet und soll realen und virtuellen raum verbinden.
die eigenschaften des öffentlichen raumes internet liegen darin, dass die betrachtung von netzkunst  nicht an einen öffentlichen ort gebunden ist, sondern auch  im privaten raum stattfinden kann. jeder ort, an dem sich ein computer mit monitor und internetzugang befindet, ist ein potentieller ausstellungsort für netzkunst. das netzkunstwerk befindet sich also immer dort, wo der betrachter vor dem computerbildschirm sitzt, wo er es betrachtet und er mit diesem oder über dieses interagiert.